Archiv[2]: Krieg

UA 7. November 2013

TRAILER // Fotos in der GALERIE

DVD auf Anfrage

 

 

 

Zwei Schauspielerinnen und eine Tänzerin treffen sich im Schlachthaus. Die drei haben Angst vor der Zukunft. Es ist kurz vor Weihnachten. Gott ist weg. Im Gepäck haben sie die Erinnerungen ihrer Familien. Erinnerungen an Zeiten, in denen der Krieg zum Alltag gehörte. Und einen kleinen Jungen, der sie dazu zwingt, Stellung zu beziehen.

 

Im Zentrum von „Archiv[2]: Krieg“ steht die persönliche Auseinandersetzung des Produktionsteams aus der Schweiz Deutschland, Island, Italien, Russland und Österreich mit den Schicksalen und Überlebensstrategien ihrer Mütter und Grossmütter in Kriegszeiten. Mit dem spartenübergreifenden Projekt führt die Gruppe Les Etoiles eine Dimension kriegerischer Auseinandersetzung vor Augen, die spürbar bis in die dritte Generation gelebt und erinnert wird.

 

 

mit: Nina Mariel Kohler, Sibylle Mumenthaler, Maria Golding

 

Regie/Text/Projektionen/Choreographie: Ragna Guderian, Bühne: Elisa Alessi und Nadja Schaffer, Kostüme: Rudolf Jost, Choreographie Mitarbeit: Martina Langmann; Coaching Puppenspiel und Objekte: Dorothee Metz, Sounds: Mathias Wendel, Dramaturgie: Heike Dürscheid, Produktionsleitung: Michael Röhrenbach, Presse und Öffentlichkeitsarbeit: Felicia Kreiselmaier, Produktionsassistenten: Gabriel Zimmerer und Anina Wirz, Plakatgestaltung: Heyday AG, Fotografie: Beat Schweizer, Technik: Matthias Keller (Bern) und Judith Mähler (Puppenbau), Familie (Stimmen)

Koproduktion von Les Etoiles Bern mit

Schlachthaus Theater Bern und Roxy Birsfelden

"... Ein kleiner Junge, eine bewegliche Handpuppe mit Segelohren, Schelmengrinsen und einer Schildkröte als Haustier, begleitet die Reise ins "Damals" und sorgt für manchen tragikomischen Moment. Er stellt zur richtigen Zeit die richtigen Fragen, ist (beinahe) empfänglich für moralische Erziehung und trotzt mit kindlichem Wutanfall dem kriegerisch um sich greifenden Tod.

Dabei sind vor allem jene Momente stark, die den Text unverfälscht transportieren. Die nackte Nennung der Namen von ertrunkenen isländischen Flüchtlingen beispielsweise, frontal zum Publikum gesprochen. Der Bezug zu den Vorfahren der isländischen Schauspielerin Hildur Óttarsdóttir wird so hergestellt, wenn auch vielleicht nur fiktiv. Performative Elemente im Spielgeschehen schaffen einen stringenten Bezug und wirken direkt auf das Publikum, beispielsweise wenn die Regisseurin selbst auf die Bühne geholt wird, Blicke in ihre Ahnengalerie gewährt und aus der Biografie ihrer Großeltern erzählt. Plötzlich wird der Inhalt des Kriegsarchivs offen gelegt und die Spurensuche angeleitet. Die Orientierung, die dem Publikum da geboten wird, lässt Kriegsgeschichten nicht etwa zum schubladisierten, streng beschrifteten und verstaubten Archiv werden, sondern ermöglicht den schlichten, unmittelbaren Zugang zur erhaltenen Erinnerungsfülle."

Geneva Moser, nachtkritik 8.11.2013